Das KulturBlog

03.12.2008

Volker Schöbel in der Galerie Norbert Nieser

Anlässlich ihres 10-jährigen Jubiläums präsentiert die in Stuttgart-Degerloch ansässige Fotowerkstatt und Galerie Norbert Nieser vom 6. Dezember 2008 bis 24. Januar 2009 die Ausstellung “Völker” von Volker Schöbel. Die Serie, an der Volker Schöbel bereits seit 1999 arbeitet, wird damit zum ersten Mal der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Inspiriert von Man Rays Solarisationen und den Tableaus von Gerhard Richter schafft der Künstler Tableaus, bestehend aus unzähligen Blättern, die in der Laborarbeit durch positiven oder gelenkten Zufall entstanden sind und atemberaubende malerische Ergebnisse schaffen, wie sie wohl kaum ein Künstler in dieser Vielfältigkeit abbilden kann.

Die fotografischen Arbeiten öffnen sich dem Betrachter nach und nach, während das Auge innerhalb der verschiedenen Motive eines Tableaus hin- und herwandert. Bei längerem Hinsehen entdeckt der Betrachter in den einzelnen Blättern plötzlich Menschen, er sieht Augen und Gesichter oder ganze Körper. Zuerst nimmt der Betrachter nur Flächen und Farben wahr, dann kommen Strukturen hinzu und bilden so Körper, die Verletzungen oder Wunden haben. Verlässt der Betrachter ein Bild, nimmt er es in seiner Phantasie mit. Beim erneuten Betrachten sieht er plötzlich etwas ganz anderes und es erschließt sich ihm wieder eine völlig neue Sichtweise. Der Titel Völker steht für die unterschiedlichen Menschen, Gesichter und Körper, die der Betrachter in den einzelnen Blättern findet. Gleichzeitig werden beim Betrachter Visionen und Träume wachgerufen, die ihn in einer neuen Welt, einem eigenem Kosmos versinken lassen.

Unterbelichtete Abzüge oder Probestreifen, die bei der Vergrößerung von Schwarz-Weiß-Fotografien im Labor weggeworfen werden, sind das Ausgangsmaterial von Volker Schöbels Arbeiten. Durch den Prozess der Solarisation, einer bewussten Belichtung oder Überbelichtung des noch unfixierten Fotopapiers, wird das ursprüngliche Bild verfremdet. So entstehen, anfänglich noch im Dunkel, fotografische Malereien, die später durch den Einfluss von Licht und Fotochemie kontinuierlichen Veränderungen unterworfen sind. Fehler und Zufälligkeiten rufen einen Veränderungsprozess auf der Papieroberfläche hervor, unzureichend fixiertes Barytpapier nimmt zum Beispiel einen besonderen Braunton an. So entsteht bei der zweiten Fixierung ein brillantes Spiel von Farben: schillerndes, leuchtendes rosa, gelb oder braun, das sich mit Silberflächen verbindet. Da der Entstehungsprozess nicht gesteuert werden kann, ist der positive Zufall bei der Entstehung der Arbeiten besonders wichtig.

Volker Schöbel - Ausstellung “Völker

Betrachtet man die einzelnen Blätter genauer, findet man unterschiedliche Oberflächen, glänzend oder matt, überklebte Papierstreifen, zerrissene Papiere, Papierreste von anderen Abzügen oder Pilze, die sich auf der Oberfläche entwickelt haben. Aber auch Risse und Kanten sind zu sehen, an denen verschiedene Papiere aneinander geklebt wurden. Auch diese Verletzungen und Risse bezieht Volker Schöbel in seine Arbeit mit ein. So schafft der Künstler eine einzigartige und noch nie da gewesene Kunst.

Volker Schöbel, 1944 geboren, lebt seit 1970 in Stuttgart, wo er seit 1996 die Freie Fotoschule Stuttgart leitet. Mit zahlreichen Ausstellungen und Publikationen im In- und Ausland wie zum Beispiel Fensterbilder (1976), Eine Kindheit (1980), Narben der Kühnheit (1983-1998) und Geheimnisvolle Sphinx (1999-2001) hat er sich einen Namen gemacht. Seine Werke befinden sich in privaten und öffentlichen Sammlungen.

Vernissage am 6. Dezember 2008, um 20 Uhr

Ausstellungsdauer: 6. Dezember 2008 bis 24. Januar 2009

Öffnungszeiten der Ausstellungen
Mittwoch bis Freitag 15 bis 18.00 Uhr
Samstag 10 bis 13.00 Uhr

    Fotowerkstatt & Galerie Norbert Nieser
    Grosse Falterstrasse 31/3
    70597 Stuttgart
    Internet: www.galerie-nieser.de

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